Gefeiert wie ein Tour-Sieger

von Tiffany Güntert

Théophile Haas meisterte mit dem renommierten Transvulcania Ultramarathon auf La Palma einen ganz besonderen Wettkampf. Der 24-Jährige vom TV Biberach startete über die 74-km-Strecke. Im Interview berichtet er über sein Erlebnis auf der Kanaren-Insel und schwärmt von der einzigartigen Atmosphäre.

Herr Haas, was ist das Besondere am Transvulcania Ultramarathon?

Théophile Haas: Er ist mittlerweile einer der wichtigsten Ultramarathon-Wettkämpfeder Welt, und das Niveau ist unglaublich hoch. Die Strecke führt über 74 Kilometer 4200 Meter bergauf und 4000 Meter bergab einmal über die ganze Insel, und es gibt immer wieder sensationelle Aussichten über die Insel und biszum Meer. Auf kleinen Wanderpfaden geht es bei Temperaturen von 20 bis 30°C über Vulkane, durch kleine regenwaldähnliche Abschnitte und über staubtrockene Trails.

Beschreiben Sie die Atmosphäre!

Théophile Haas: Sie ist einmalig:Wenn man um sieben Uhr morgens durch ein kleines Dorf kommt und dort von hunderten Leuten mit »Vamos, Vamos« angetrieben wird, oder auf den letzten 1,5 Kilometer durch die Stadt wie ein Tour-de-France-Sieger gefeiert wird, ist das einfach ein geiles Gefühl. Eine weitere Besonderheit ist die Tatsache, dass man eben an der Startlinie nur wenige Meter hinter einigen der besten Ultratrail-Läufern steht, die man meist nur aus dem Internet und Zeitschriften kennt.

Woher schöpfen Sie Ihre Motivation, bei so einem Lauf mitzumachen?

Théophile Haas: Ich mache einfach total gerne Sport und bin gerne in den Bergen unterwegs, am liebsten auf den eigenen zwei Beinen. Ich finde es unglaublich faszinierend, was man durch ordentliches Training alles erreichen kann und wozu der Körper fähig ist, wenn man ihn richtig vorbereitet. Ich war im Herbst bereits drei Wochen auf La Palma und bin dort viel auf den Trails gelaufen. Kurz danach war klar, dass ich den Lauf unbedingt mal machen müsste.

Wie lief das Vorbereitungstraining ab?

Théophile Haas: Ich war im vergangenen Winter zwei Monate auf den kanarischen Inseln und danach zwei Monate in den französischen Alpen, wo ich wegen Schneemangels noch Ende Dezember in kurzer Hose und Laufschuhen bis auf 3000 Meter hoch gerannt bin und später viel mit den Tourenski unterwegs war. Das war wirklich toll, so viel Zeit in den Bergen unterwegs zu sein, und so kamen dann pro Woche zum Teil 20 bis 25 Stunden Training mit 10 000 Höhenmetern zusammen. Zu Hause habe ich durch mein Studium viel zu wenig Zeit, um das in dem Ausmaß fortzuführen, aber ich habe dann in Deutschland noch einige lange Läufe gemacht und fühlte mich somit optimal vorbereitet für den Ultramarathon.

Wie viele Teilnehmer waren auf La Palma am Start?

Théophile Haas: Insgesamt waren es 1700 Starter, von denen ca. 1500 innerhalb des Zeitlimits von 17 Stunden das Ziel erreichten. Der schnellste Mann lief die Strecke in 7:04, die schnellste Frau in 8:14 Stunden. Ich konnte nach 10:54 Stunden als 239. die Ziellinie überqueren, was für mich ein super gutes Ergebnis ist.

Was sind die nächsten Laufprojekte?

Théophile Haas: Ich würde den Lauf sofort wieder mitmachen, bin aber genauso neugierig darauf, andere solche Läufe zumachen. In der nächsten Zeit werde ich beim Zugspitz-Ultratrail einen 80-km-Wettkampf laufen und Ende Juli einen 65-km-Ultratrail im Allgäu. Außerdem stehen noch eigene, private Touren in den Bergen an, und ich habe bereits einige Projekte im Kopf, etwa im heimischen Schwarzwald oder in den Alpen.

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